Die Geschichte der ÖGAM

Im Eiltempo durch die ÖGAM-Frühgeschichte

Die Österreichische Gesellschaft für Allgemeinmedizin wurde am 18. 11. 1966 in Innsbruck gegründet. Erster Präsident wurde DDr. Geiger aus Tirol, erste Vizepräsidenten Dr. Heller aus Kärnten und Dr. Winter aus der Steiermark. Ziele waren neben einer Betonung der Wissenschaftlichkeit in der Allgemeinmedizin die praxisgerechte Fortbildung, eine moderne Praxisführung, die Lehrpraxis, die Praxisfamulatur und die Lehre der Allgemeinmedizin an den Universitäten.

In den Folgejahren konnte die ÖGAM vor allem in mit internationalen Kongressen in Kooperation mit der SIMG (Societas Internationalis Medicinae Generalis) Aufmerksamkeit gewinnen. Innerhalb Österreichs entwickelte sich der Kongress der Steirischen Akademie für Allgemeinmedizin unter der Leitung von OMR Dr. A. v. Chizzola, langjähriger Vizepräsident der ÖGAM, und Dr.Walter Fiala zur bedeutendsten Kongress für Allgemeinmedizin. In die Zeit der Leitung von OMR Dr. Heller 1975–1990 fallen die Gründung von Famulaturpraxen für Studenten und Lehrpraxen für Allgemeinärzte in Ausbildung. Dr. Heller übernahm den Lehrauftrag für Allgemeinmedizinan der Universität Graz, Lehraufträge in Wien wurden geschaffen, wo OMR Dr. Tutsch und MR Dr. Tönies wirkten. Nach dem Tod von Dr. Heller übernahm 1990 zunächst Dr. Tutsch die Führung der ÖGAM, gefolgt von Dr. Wutzl 1991. 1994 wurde Dr. Erwin Rebhandl zum Präsidentender ÖGAM gewählt.

Die Ära Rebhandl

Die ÖGAM erhielt neue Vereinsstatuten und damit eine den heutigen Bedürfnissen entsprechende Struktur. Der Vereinszweck hat sich in seinen wesentlichen Inhalten nicht verändert:
„Zweck der Gesellschaft ist die Förderung der Allgemeinmedizin in Wissenschaft und Praxis sowie die Förderung der Kooperation und Koordination zwischen den Mitgliedern,die Unterstützung ihrer Tätigkeit und die gesamtösterreichische Vertretung ihrer Interessen. Ziele der Gesellschaft sind die systematische Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlagen allgemeinmedizinischer Tätigkeit, deren Darstellung in der Öffentlichkeit, die Förderung der Ausbildung, der Weiterbildungund Fortbildung, das Sammeln und Austauschen von Lehrstoff, die Auswertungdes Lehrerfolges, die Erforschung der Lehrpraxis,die Qualitätssicherung in der Allgemeinmedizin und die Veranstaltung bzw. Mitveranstaltung allgemeinmedizinisch-wissenschaftlicher Kongresse und Tagungen.“

Im Folgenden sollen die Schwerpunkte der ÖGAM-Tätigkeit kurz dargestellt werden – für eine umfassende Darstellung fehlt der Platz. Im Rückblick wird bewusst, wie viel   das Team der ÖGAM unter der Leitung von Erwin Rebhandl in den letzten Jahren erbracht hat.

Qualitätssicherung

In diesen Jahren wurden unter der Federführung der ÖGAM das Instrument Qualitätszirkel in Österreich eingeführt, das Moderatorentraining für diese Zirkel wird weiterhin regelmäßig angeboten. Ebenfalls auch an der Etablierung von angemessenen Qualitätskriterien und der Durchführung der Praxisevaluierung war die ÖGAM wesentlich mitbeteiligt.
Reinhold Glehr hat Österreich durch die ÖGAM über viele Jahre in der EQUIP (European Association for Quality in General Practice/ Family Medicine) auf der internationalen Bühne vertreten.

Fehlermanagement

Früh hat sich die ÖGAM dem Fehlerberichtsund Lernsystem des Frankfurter Instituts für Allgemeinmedizin „Jeder Fehler zählt“ angeschlossen. Kritische Ereignisse in allgemeinmedizinischen Praxen werden hier berichtet, analysiert und diskutiert.

Fortbildung

Wesentliche Impulse wurden immer wieder in Richtung des von der Ärztekammer getragenen Diplomfortbildungsprogramms gegeben. In Zusammenarbeit mit dem Ärztemagazin wurde das ÖGAM-Konzept einer praxisnahen, hausärztlich orientierten Fortbildungsmöglichkeit in Printmedien entwickelt. Mitglieder der ÖGAM sind an den vier medizinischen Fakultäten Österreichs als Lehrbeauftragte und Lehrpraxisleiter tätig. Mitglieder der ÖGAM arbeiten bei der abschließenden Prüfung am Ende der Turnusausbildung (Prüfung zu Arzt für AM) mit, die gemeinsam mit der Ärztekammer entwickelt wurde.
Ein Meilenstein in der Geschichte der ÖGAM war der 6. Europäische Kongress für Allgemein- und Familienmedizin WONCA 2000 VIENNA. Diese erfolgreiche Konferenz, zu dem über 2200 Teilnehmer aus aller Welt nach Wien kamen, hatte großen Einfluss auf die weitere positive Entwicklung der Allgemeinmedizin in Österreich.

Seither hat die ÖGAM mehrere Jahrestagungen in Wien organisiert, die sich schwerpunktmäßig der integrierten Versorgung widmeten, sowie die seit 7 Jahren stattfindende Wintertagung am Arlberg, die sich auch durch ihre besonders gelöste, freundschaftliche Atmosphäre und die intensive Kooperation mit Spezialisten aller Fächer in angenehmer Kollegialität auszeichnet.

Eine Besonderheit ist das vor allem der Theorie des Faches gewidmete Donausymposium, organisiert von den Wiener bzw. niederösterreichischen Gesellschaften für AM.

Leitlinien

Ein großes Projekt startete 2001. Die EBM-Guidelines für Allgemeinmedizin (ein Werk finnischen Ursprungs, das in der internationalen Version vom Cochrane-Verlag Wiley’s betrieben wird) wurde in einer großen Arbeitsgruppe der ÖGAM übersetzt und adaptiert und 2005 als Buch herausgegeben. Im Oktober 2006 ging die elektronische Version online. Das Projekt wird in enger Kooperation mit der finnischen Arbeitsgruppe weiterbetrieben und online laufend aktualisiert, alle zwei Jahre erscheint eine aktuelle Buchfassung.
Die ÖGAM ist außerdem an der Erstellung österreichischer Leitlinien beteiligt und kann so die Aspekte der Grundversorgung in deren Entwicklung einbringen.

Gesundheitspolitische Konzepte

In langen Diskussionen wurde ein Grundsatzpapier zu einer Neuorientierung des österreichischen Gesundheitssystems mit stärkerer Betonung von Grundversorgung und niedergelassenem Bereich entwickelt. Wesentlicher Teil davon ist das Konzept für eine zeitgemäße, den Spezialfächern gleichgestellte Ausbildungsordnung für Hausärzte. Diese beinhaltet auch fertig ausgearbeitete Vorschläge zur Lehrpraxis, inklusive Lernzielund Ausstattungspläne.

Die integrierte Versorgung mit besserer Definition der Rollen der einzelnen Leistungserbringer, Betreuung auf der bestgeeigneten Ebene mit einer guten Vernetzung zwischen Hausärzten und Fachärzten ist Bestandteil des Konzeptes. Dazu gehört ganz wesentlich die adäquate Betreuung chronisch Kranker und Multimorbider im interdisziplinären Team. Gemeinsam mit Hauptverband der Sozialversicherungsträger, ÖDG und Ärztekammer war die ÖGAM wesentlich an der Entwicklung des 1. österreichischen Diseasemanagementprogramms (DMP Diabetes – Therapie aktiv) beteiligt. Sie ist weiterhin in die meisten Aktivitäten von unterschiedlichen Institutionen in diesem Bereich eingebunden und versucht dort, die Rolle der Allgemeinmedizin zu sichern und zu stärken.

Kooperationen

Seit vielen Jahren bemüht sich die ÖGAM erfolgreich um gute Zusammenarbeit von uns Generalisten mit den spezialisierten Kollegen. Das sichtbare Ergebnis sind etliche gemeinsam erarbeitete Konsensuspapiere, wo die allgemeinmedizinische Sicht in Behandlungskonzepte einfließen konnte.

Ausblick in die Zukunft

Die Schwerpunkte der letzten Jahre werden weiterhin die Arbeit der ÖGAM bestimmen. Unsere wichtigsten und dringendsten derzeitigen Ziele sind eine grundversorgungsbetonte Umgestaltung des österreichischen Gesundheitssystems mit dem ÖGAM-Konzept für den „Arzt des Vertrauens“ (s. dazu das Grundsatzpapier auf www.oegam.at) und die Gleichstellung der Allgemeinmedizin mit den spezialistischen Fächern mit Etablierung einer adäquaten, modernen Ausbildung.

Erfreulich ist, dass sich die jungen Allgemeinmediziner, JAMÖ, die als unabhängige Vereinigung mit Stimmrecht in die ÖGAM eingebunden sind, in den letzten Jahren immer mehr aktiv für ihre Zukunft als Ärzte für AM aktiv geworden sind und bereit sind, neue Ideen und Impulse einzubringen.
Was uns alle an die ÖGAM bindet, was uns den Einsatz in unserer Freizeit wert ist, ist nicht nur das Bestreben, die Allgemeinmedizin zukunftsträchtig mitzugestalten, sondern auch die fruchtbare, kooperative Arbeit in diesem Team von Individualisten, die alle Hausärzte sind, wo unterschiedlichen Qualitäten, Sichtund Denkweisen eingebracht werden, wo immer für Diskussionen gesorgt ist, wo vor allem aber Entwicklung, Kreativität und nicht zuletzt Freundschaften einen festen Platz haben. Wir freuen uns über engagierte Kollegen, die diesen Weg mit uns gemeinsam gehen wollen.

Unser Dank gilt unserem langjährigen und nunmehr scheidenden Präsidenten Erwin Rebhandl, dessen Tatkraft, Entschlossenheit und große Expertise der ÖGAM diesen Weg eröffnet hat!