Eine Exploration des Glaubens an gesundheitsförderliche Effekte von alkoholhaltigen Getränken und der Risikoeinschätzung des eigenen Trinkverhaltens

Medientyp:

Diplomarbeit

Quelle:

Abteilung Allgemeinmedizin, Zentrum für Public Health, Medizinische Universität Wien, Volume Doktor der gesamten Heilkunde (Dr. med. univ.), Wien, p.99 (2017)

Schlüsselwörter:

Alkohol

Zusammenfassung:

<h2>Einleitung</h2><p>Die&nbsp; Diplomarbeit&nbsp; handelt&nbsp; zum&nbsp; einen&nbsp; vom&nbsp; Glauben&nbsp; an positive Effekte moderaten&nbsp; Alkoholkonsums&nbsp; und&nbsp; zum&nbsp; anderen&nbsp; von&nbsp; der&nbsp; eigenen&nbsp; Risikoeinschätzung. Moderater Alkoholkonsum ist eindeutig mit einer reduzierten kardiovaskulären Mortalität assoziiert – was zur Hälfte einer Erhöhung von HDL im Blut zugeschrieben wird. Es sollte untersucht&nbsp; werden,&nbsp; welches&nbsp; Wissen&nbsp; über&nbsp; positive&nbsp; Effekte&nbsp; von&nbsp; Alkohol&nbsp; besteht,&nbsp; und erstmals eine Evaluierung der persönlichen Risikoeinschätzung der Bevölkerung erfolgen.</p><h2>Methoden</h2><p>Die&nbsp; Datenerhebung&nbsp; erfolgte&nbsp; mittels&nbsp; Fragebogenerhebung&nbsp; innerhalb Österreichs&nbsp; in&nbsp; 38&nbsp; Ordinationen&nbsp; von&nbsp; AllgemeinmedizinerInnen&nbsp; bei&nbsp; insgesamt&nbsp; 428 TeilnehmerInnen.&nbsp; Die&nbsp; positiven&nbsp; Auswirkungen&nbsp; wurden dabei&nbsp; anhand&nbsp; von&nbsp; 11 Körperfunktionen/Organsystemen&nbsp; untersucht&nbsp; und&nbsp; die&nbsp; eigene&nbsp; Risikoeinschätzung&nbsp; an&nbsp; die aktuellen Empfehlungen des Bundesministeriums für Gesundheit angepasst.</p><h2>Ergebnisse</h2><p>29,1% bzw. 19,6% der TeilnehmerInnen glauben an einen positiven Effekt von Wein auf Herz/Gefäße oder die Lebenserwartung. 21,1% gaben sogar an, dass sie&nbsp; glauben,&nbsp; ihr&nbsp; momentaner&nbsp; Wein-Konsum&nbsp; würde&nbsp; sich positiv&nbsp; auf ihre&nbsp; Gesundheit auswirken. Bei Bier glauben 11,5%&nbsp; an einen positiven Effekt auf die Nieren. Es konnten Unterschiede&nbsp; zwischen&nbsp; den&nbsp; Geschlechtern&nbsp; im&nbsp; Konsumverhalten&nbsp; und&nbsp; in&nbsp; der Risikoeinschätzung gezeigt werden: Bei Letzterem schätzen Frauen ihr Risiko zu 39,75% (für Wein), 42,92% (für Bier) oder 53,0% (beides) falsch ein – Männer zu 17,43%, 28,70% bzw. 31,4%. Es konnte auch gezeigt werden, dass bis zu 11,1% (für Wein) bzw. 18,9% (für Bier) der ProbandInnen Wein oder Bier nicht als Alkohol auffassen. Das Konsumverhalten ist&nbsp; dabei&nbsp; mit&nbsp; dem&nbsp; Lifestyle&nbsp; assoziiert,&nbsp; genauso&nbsp; wie die&nbsp; Risikoeinschätzung:&nbsp; Bei&nbsp; Wein beträgt die OR für das Rauchen 1,90 (Frauen) bzw. 4,44 (Männer).</p><h2>Diskussion</h2><p>Alkohol, und dabei insbesondere Wein, wird in seinen Risiken stark unterschätzt und der Glaube an positive Effekte darf deshalb keinesfalls unreflektiert von der Bevölkerung übernommen werden. Frauen vertragen circa ein Drittel weniger Alkohol als Männer, und schneiden bei der eigenen Risikoeinschätzung schlecht ab. Ein Fünftel der ProbandInnen&nbsp; versteht&nbsp; Bier&nbsp; sogar&nbsp; nicht&nbsp; als&nbsp; Alkohol. Es&nbsp; scheint&nbsp; angebracht,&nbsp; die Risikoeinschätzung&nbsp; und&nbsp; den Glauben&nbsp; an&nbsp; positive&nbsp; Effekte&nbsp; auf&nbsp; Herz/Gefäße&nbsp; in&nbsp; einer größeren Follow-Up-Studie zu reevaluieren.</p>